Hohengandern - Neu-Eichenberg

"Trabbis" jubelnd begrüßt

Sonntag, um 12.25 Uhr: Schon 35 Minuten vor dem vereinbarten Zeitpunkt geben die DDR-Grenztruppen den Weg nach Westen für den "Trabbi"-Fahrer Rudi Müller aus Vatterode frei. Flott holpert das Gefährt über die provisorisch angelegte Straße - diesseits der Grenze bricht ein kaum beschreiblicher Jubel aus. Mit begeistertem Beifall wird der erste DDR-Bürger, der den neuen Grenzübergang Witzenhausen - Hohengandern bei Eichenberg passiert hat, von einer sechstausendköpfingen Menge begrüßt. Es gibt Blumen und Sekt. Dann folgt aus Richtung Osten Fahrzeug auf Fahrzeug. Ein großer Tag für die Region. Endlich rücken die Nachbarn in Thüringen wieder näher an Hessen heran. Sie kamen aus Kirchgandern und Hohengandern, Bornhagen und Gerbershausen. Ganze Familien hatten sich zum Blitzbesuch in die Bundesrepublik aufgemacht - viele Insassen der "Trabbis" und Wartburgs, Sokdas und Ladas hatten Freudentränen in den Augen. [Anmerkung: Es ist Sonntag, der 12. November 1989].

Ein Großaufgebot prominenter Gäste begrüßte die DDR-Nachbarn: Ministerpräsident Wallmann, Innen-minister Milde, Staatssekretär Stanitzek, Regierungspräsident Dr. Wilke, Landtagsabgeordneter Meister, die Bürgermeister Hannich (Neu-Eichenberg) und Engel (Witzenhausen). Dietrich Meister brach kurz entschlossen zu einer Fahrt nach drüben auf - an diesem Tag war nur der Personalausweis erforderlich. Zuvor hatte Artur Künzel, Vorsitzender des Werratalvereins Witzenhausen, als erster Bundesbürger den neuen Übergang passiert. Sein Ziel in der DDR die Burg Hanstein. Hier machten auch Bürgermeister Engel und Stadtverordnetenvorsteher Joachim Tappe einen Besuch.

Regierungschef Wallman, von Journalisten um ein kurzes Statement gebeten: "Ich bin dankbar, glücklich und bewegt."

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