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Enteignung in Kusey - eine SED-Altlast

Klötze/Kusey  Einst begangenes stalinistisches Unrecht holt jetzt vielerorts die DDR-Gegenwart wieder ein. Auch Kuseys Bürgermeister Dietrich Eggert sieht sich immer häufiger mit Rechtsverletzungen aus den Anfangsjahren der einst durch SED und Stasi gesteuerten DDR-Geschichte konfrontiert.

So ginge es dabei hauptsächlich auch um Enteignungen aus dieser Zeit, die nun geregelt werden müssen. "Wir wollen hier aus besten Kräften helfen" - meinte der Bürgermeister und fügte hinzu, daß aber Sorge zu tragen sei, aus altem Unrecht kein neues erwachsen zu lassen. Hier müßten neue Rechtlichkeiten geschaffen werden, die eine umfassende Rehabilitierung mit einschließen. Dietrich Eggert machte die 'Altmark Nachrichten' auf einen besonders tragischen Fall von Enteignung aufmerksam, der sich im September 1946  ereignete.

Die Betroffene, Elsbeth Schulze, verw. Kramer, erteilte den 'Altmark Nachrichten' die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung ihres Antrages an das Justizministerium, in dem sie um Klärung der vorgenommenen Enteignung bittet. Im Schreiben heißt es: "Am 26. Januar 1940 verstarb mein erster Mann, der am 03.02.1906 geborene Bauer Wilhelm Kramer. Außer mir, seiner Ehefrau, hinterließ er zwei Söhne; Wilhelm (geb. 09.01.38) und Friedrich (geb. 25.03.39). Laut Erbschein ist der jüngste Sohn Anerbe des Besitzes in Kusey, Dorfstr. 11. Der Besitz ist 84 ha, 49 a und 72 qm groß.

Da es über meine Kräfte ging, einen so großen Betrieb allein zu bewirtschaften, verpachteten meine Eltern Christian und Clara Woost ihre kleine Wirtschaft (22 ha) in Weddendorf-Kolonie und zogen zu mir nach Kusey. Mein Vater unterstützte mich in der Feldwirtschaft und der Viehzucht, meine Mutter betätigte sich in der Hauswirtschaft. Als mein Vater 78 Jahre alt war, ging der Krieg zu Ende. Aus Altersgründen ließ er mir am 18. August 1944 seinen Bauernhof, den er noch immer verpachtet hatte, gerichtlich überschreiben.

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