Kleinensee

Einen Steinwurf voneinander entfernt liegen die beiden Dörfer Großensee und Kleinensee, in dem Bereich der ehemaligen Grenze durch einen besonders verwirrenden Verlauf  gekennzeichnet. Der Ort Kleinensee war lange sächsisch und wurde erst in 1733 nach den Regelungen des Vertrages von Hausbreitenbach von Sachsen – Weimar – Eisenach an Hessen abgegeben und dem Amt Friedewald zugeschlagen.

Heute spielt es keine Rolle mehr, dass Großensee in einem weit nach Westen ragenden Zipfel liegt und auch Kleinensee wie eine Halbinsel nach Thüringen hineinragt. Das war anders, als im Sommer 1952 die Grenze geschlossen wurde. Damals berichtete die Hersfelder Zeitung im Juni von schwerwiegenden Auswirkungen auf Kleinensee: „Seit Dienstag früh werden in einer Breite von 10 Metern in den Wäldern entlang der Zonengrenze sämtliche Bäume gefällt und auf den Feldern die Saat vernichtet. Allein im Abschnitt Kleinensee-Großensee waren am Mittwoch 14 Trecker mit je drei Pflugscharen eingesetzt, um alles in diesem Streifen dem Erdboden gleichzumachen. Durch diese rigorosen Maßnahmen verliert die Gemeinde Kleinensee 65 Hektar Wiesen und Land. Dieses bedeutet, dass die Hälfte der Landwirte und Bauern der Gemeinde Kleinensee eines Großteils ihres Besitzes, der in der Ostzone liegt, verlustig geht.“

Während nach  der Grenzschließung im Jahr 1952 zunächst einfache Drahtverhaue und Schlagbäume genügten, wurde nach dem Bau der Berliner Mauer auch die „grüne Grenze“ mit einem doppelreihigen Stacheldrahtzaun ausgebaut. Zwischen den Zäunen wurden einige Jahre später Minen verlegt. Als letzte Ausbaustufe der Grenze errichtete die DDR zwischen den Jahren 1971 und 1973 eine meterhohe Mauer aus Betonelementen und unterband damit auch noch die bis dahin möglichen Blickkontakte der Menschen von einem Ort zum anderen.

[Quelle: Grenzwanderweg in der Wartburgregion, Grünes Band Thüringen  (Februar 2006)]

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