Grenzdenkmal Hötensleben

Tagebuch „Abreißkalender“ las. Reflektiert wurden die Jahre 1987/88. Zusammen mit Stephan Krawczyk gründete sie die erste freie Theatergruppe der DDR, die natürlich nur in der Kirche spielen durfte. Es muss nicht weiter erklärt werden, was folgte. Es waren Repressalien, psychische und physische Gewalt bis hin zur Verhaftung und Ausbürgerung. Krawczyk hielt die beklemmende Stimmung mit seinen Liedern respektive Rezensionen aufrecht. Die Situation der Beiden wurde dem Zuhörer bei diesem Programm brutal realistisch. Dabei kamen sie nicht larmoyant daher und sahen sich nicht in der Opferrolle. Sympathisch waren Krawczyk und Klier, unkommentiert und ohne Wertung waren die Beiträge. Beide lieben die deutsche Sprache und das Spiel mit dem Wort. Nach den erschreckenden Tatsachen über die Vorgehensweise in einem totalitären und menschenverachtenden Staat, folgte der zweite Teil über das Heute und Jetzt.

Ironisch und mit einem Augenzwinkern wurde unser Dasein betrachtet. Krawczyk glänzte wie im ersten Teil mit seinen Metapher behafteten musikalischen Darbietungen. Die unverwechselbare Stimme, sein Lächeln und sein ganz besonderer Charme gaben den Stücken etwas Unbeschreibliches mit auf den Weg. Freya Klier rezitiert, diesmal nicht autobiographisch, über einen gestrandeten Künstler. Es wurden auch die Abgründe unserer Gesellschaft beleuchtet. Die Stimmung im Publikum war jetzt heiter, lustig und gelöst ohne aber ihre Nachdenklichkeit zu verlieren.

Am Ende des Abends standen nach stehenden Ovationen die Zugaben der Künstler und das Gefühl der Gäste, etwas Besonderes erlebt zu haben.

[Quelle: R. Müller, Grenzdenkmal Hötensleben  (März 2009)]

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